Nordrhein-Westfalen legt Entwurf zur Novelle des Online-Casino-Gesetzes vor
Geschrieben von Felix Becker · 23.7.2026

Nordrhein-Westfalen legt Entwurf zur Novelle des Online-Casino-Gesetzes vor

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens hat dem Landtag einen Gesetzentwurf zur Änderung des Online-Casino-Gesetzes (OCG NRW) vorgelegt; das ursprüngliche Gesetz war 2022 in Kraft getreten. Der Entwurf erweitert die behördlichen Befugnisse bei der Prüfung der Zuverlässigkeit von Personen, ermöglicht Dienstleistern die Übertragung von Live-Dealer-Spielen aus stationären Spielbanken einschließlich gemeinsamer Räumlichkeiten und konkretisiert die Pflichten, die bei den Lizenznehmern verbleiben. Diese Schritte stützen das Lizenzmodell des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und reagieren auf praktische wirtschaftliche Anforderungen bei der Bereitstellung von Online-Casino-Spielen unter Beibehaltung von Verbraucherschutz- und Kanalisierungszielen.
Hintergründe und Entstehung des Entwurfs
Seit Inkrafttreten des OCG NRW im Jahr 2022 haben Behörden und Anbieter Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung gesammelt; daraus ergaben sich Anpassungsbedarfe bei der Aufsicht über Personal und bei der technischen Ausgestaltung von Live-Übertragungen. Der neue Entwurf greift diese Punkte auf, indem er die regulatorischen Instrumente der zuständigen Stelle erweitert und gleichzeitig die Verantwortungsketten zwischen Lizenzhaltern und externen Dienstleistern klarer definiert. Beobachter verweisen darauf, dass solche Klarstellungen notwendig wurden, weil Live-Dealer-Spiele aus landbasierten Kasinos zunehmend in digitale Angebote integriert werden.
Kernpunkte der geplanten Änderungen
Der Entwurf sieht vor, dass die Aufsichtsbehörde künftig umfassendere Informationen zur Zuverlässigkeit von Schlüsselpersonen einfordern kann; dazu gehören erweiterte Prüfungen von Geschäftsführern und verantwortlichen Mitarbeitern. Außerdem wird die Beauftragung externer Dienstleister für die Produktion und Übertragung von Live-Dealer-Spielen aus stationären Einrichtungen ausdrücklich geregelt, auch dann, wenn diese Einrichtungen räumlich mit anderen Kasino-Bereichen verbunden sind. Gleichzeitig bleiben zentrale Verpflichtungen wie die Spielerschutzmaßnahmen, die Altersverifikation und die Meldung von Transaktionen bei den Lizenzinhabern selbst bestehen. Der Gesetzentwurf ist unter dem Titel „Draft bill amending the North Rhine-Westphalian Online Casino Gambling Act“ als Drucksache im Landtag verfügbar.

Einbettung in den Glücksspielstaatsvertrag 2021
Die vorgesehenen Regelungen stehen im Einklang mit dem bundesweiten Glücksspielstaatsvertrag 2021, der ein einheitliches Lizenzsystem für Online-Casino-Angebote schafft. Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland trägt mit den Anpassungen dazu bei, dass landesspezifische Vorgaben mit den übergeordneten Zielen der Kanalisierung und des Spielerschutzes übereinstimmen. Experten der Glücksspielaufsicht haben in früheren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass eine klare Trennung zwischen technischen Dienstleistungen und den verbleibenden Pflichten der Lizenznehmer die Rechts- und Planungssicherheit erhöht.
Wirtschaftliche und regulatorische Auswirkungen
Durch die Erweiterung der Möglichkeiten für Live-Übertragungen aus stationären Kasinos ergeben sich für Anbieter neue Optionen, bestehende Infrastrukturen stärker zu nutzen; gleichzeitig wird sichergestellt, dass alle Anforderungen an Spielerschutz und Datensicherheit weiterhin gelten. Die Konkretisierung der Pflichten soll Doppelzuständigkeiten vermeiden und damit Verwaltungsaufwand reduzieren. In der Praxis bedeutet dies, dass Lizenzhalter weiterhin für die Einhaltung der Verbraucherschutzstandards haften, während technische und organisatorische Aufgaben an spezialisierte Dienstleister übertragen werden können. Beobachter der Branche stellen fest, dass solche Regelungen in anderen Bundesländern mit vergleichbaren Gesetzen bereits zu einer differenzierteren Marktentwicklung geführt haben.
Zeitlicher Ausblick und Verfahren
Der Gesetzentwurf durchläuft derzeit das parlamentarische Verfahren im Landtag Nordrhein-Westfalens; eine Verabschiedung wird für das zweite Halbjahr 2025 erwartet, mit möglichen Auswirkungen auf die Praxis ab Juli 2026. In dieser Phase können Verbände und Betroffene Stellungnahmen abgeben, sodass weitere Anpassungen im Laufe des Gesetzgebungsprozesses möglich bleiben. Die Landesregierung hat angekündigt, die Umsetzung eng mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder abzustimmen, um bundesweite Kohärenz zu gewährleisten.
Fazit
Die Novelle des OCG NRW adressiert konkrete Herausforderungen bei der Aufsicht und der technischen Umsetzung von Online-Casino-Angeboten in Nordrhein-Westfalen. Indem sie die regulatorischen Kompetenzen erweitert, die Einbindung externer Dienstleister regelt und die Verantwortung der Lizenznehmer präzisiert, schafft sie einen Rahmen, der sowohl den Zielen des GlüStV 2021 als auch den praktischen Erfordernissen der Anbieter gerecht werden soll. Das weitere Verfahren im Landtag wird zeigen, in welcher Form diese Regelungen letztlich in Kraft treten.